Franz 2

Kapitel 1/ Seite 2 Nun war er also wieder da und sein Gesicht leuchtete , sein Gang nahm eine aufrechte Haltung an . Voller Zuversicht stieg er aus dem Zug und blickte beim letzten Schritt nach oben , um den neuen Hauptbahnhof zu bewundern, den er noch nicht gesehen hatte . Er verpasste die letzte Stufe und als er sich festhalten wollte , knickte er mit dem rechten Fuss so zur Seite , dass er der Länge nach hinfiel , im Fallen riss er seine Reisetasche , die er in der rechten Hand hielt , mit , und sein Gepäck flog auf den Bahnsteig , denn in dem Augenblick , als er fiel , riss der Reißverschluss und ging zu Bruch , Während Franz fiel , hörte er seinen Knochen im rechten Schienbein krachen und er verspürte so einen Schmerz , wie er ihn noch nie gefühlt hatte . Tausend Gedanken gingen ihm blitzschnell durch den Kopf ,nun ist alles vorbei , alle Pläne , die er gemacht hatte und die Zukunft mit seinem Vater , auf die er sich so gefreut hatte  und von der sein weiteres Leben abhing , waren in einer Sekunde dahin . Der heftige Schmerz trieb ihm die Tränen in die Augen , es waren Tränen der Wut und Verzweiflung . Es schrie in seinem Kopf - alles dahin - nun wird er wieder denken , er , Franz , kann nichts auf die Reihe bekommen , nichts , aber auch gar nichts . Er wird wieder vor seinem Vater als Versager stehen . Gleichzeitig mit diesen Tränen der Ohnmacht kam die Erkenntnis , dass nun aus seinen Träumen nichts werden würde und alles dahin war . Während seine Gedanken um den Schmerz und die Verzweiflung kreisten , sammelten sich immer mehr Menschen um ihn herum an . Zwei junge Frauen sammelten seine Sachen , die aus dem Koffer gefallen waren , zusammen und fragten ganz aufgeregt , wohin , wohin ? Ein junger Mann kniete neben ihm und hatte seine Jacke ausgezogen und ihm unter den Kopf gelegt . Eine ältere Dame rang die Hände und rief immerzu, ruft einen Arzt , ruft einen Arzt . Ein Mann im blauen Mantel hatte sein Handy am Ohr  und rief den Rettungsdienst an , ein kleines Kind schrie wie am Spieß und der Schaffner kam von der Mitte des Bahnsteigs und rief schon von Weitem , was ist denn hier los ? kurzum , ein Chaos . Franz  stöhnte ganz laut , denn die Schmerzen wurden unerträglich und er hatte das Gefühl , gleich ohnmächtig zu werden . Nach Zehn Minuten , indem der Schaffner veranlasst hatte , dass der Zug hielt , kamen endlich die Rettungssanitäter von der Bahnhofsmission mit einer Trage . Sie versuchten , sein Bein zu stabilisieren , aber Franz schrie so laut , dass noch mehr Leute auf die Szene aufmerkasam wurden  und die Traube noch größer wurde . Franz fühlte sich furchtbar und er wünschte sich nur eins , tot zu sein , aber das ging nicht . Er wurde , nachdem der Krankenwagen endlich angekommen war und er in einen Fahrstuhl und durch viele Gänge geschoben wurde , endlich in den Krankenwagen verfrachtet , und auf dem Bahnsteig löste sich die Traube langsam auf . Franz atmete auf , als er im Wagen war und nicht mehr im Mittelpunkt des Geschehens stand. Er starrte an die Decke und wusste nicht , wie ihm geschah . Er hatte nun alle Fragen beantwortet und auf die Bitte nach einem Schmerzmedikament entgegnete der Sanitäter , das dürfe er nicht , weil das Bein im Krankenhaus erst gerichtet werden muss . Tausend Gedanken , die sich nicht abschütteln lassen wollten , tanzten in seinem Kopf herum und wieder kamen ihm die Tränen . Wie sollte es nun weitergehen ? Er war ganz allein in der Stadt und ausser dem Kontakt zu seinem Vater hatte er noch nichts in die Wege geleitet .  Alles war noch im Fluss , also auch eine Chance . Er musste nicht nach seinem ursprünglichen Plan vorgehen und konnte noch alles ändern . Seine Gedanken begannen wieder in normalere Bahnen zu geraten . Wenn er einen Anruf bei Gregor machen würde und ihm sagen , es verzögert sich alles um zwei Monate , weil er beruflich nicht abkömmlich ist , so wird das alles vieleicht gar nicht die Ausmaße annehmen , die er im ersten Schreck vermutete , und , was das Wichtigste war , er brauchte von seinem Ungeschick zu Gregor nichts zu sagen . Er fragte den netten , jungen Krankenpfleger , der seine Hand hielt , wohin die Reise gehen würde und erhielt , leicht errötend die Antwort , in die Charite . Der andere Pfleger schaute von seinem Fahrersitz über die Schulter und grinste , wahrscheinlich über den Jungen , der ungeschickt noch immer die Hand des Patienten hielt, obwohl er sie längst loslassen könnte . Man sah ihm an , wie genervt er war,  nachdem er den ganzen Tag mit diesem Greenhorn , das gerade erst in der Notaufnahme angefangen hatte , arbeiten musste . Ausserdem dachte er , oha , da ist vieleicht jemand schwul . All das rauschte an Franz vorbei und er gab sich seinen Schmerzen hin , die ein wenig besser geworden waren , aber bei jedem Schlagloch wieder auflebten . In der Notaufnahmee angekommen  , wurde er ruhig und mit professionellen Handgriffen abgeliefert und nachdem ihm beide Sanitäter alles Gute und gute Besserung gewünscht hatten , gingen sie , um ihre Pause , die eigentlich schon längst fällig war , zu geniessen . Der Kleine warf beim Hinausgehen einen Blick seiner schönen , dunklen Augen zurück und hob ganz wenig die Hand zum Abschiedsgruss , eine herzliche Wärme und Anteilnahme , aber vieleicht auch ein klein wenig Begeisterung standen darin geschrieben , zwar war es nur ein winziger Augenblick , und das Leuchten verging , aber  dieser Augenblick konnte ein ganzes Zimmer erhellen . Franz , allein gelassen , döste in einem klinisch hellen Zimmer vor sich hin  , das Neonlicht hatte ihn so geblendet , dass er die Augen schliessen musste . Fast kam er sich vergessen vor und plötzlich fiel ihm ein , dass der kleine Sanitäter ihm eine Pille gegeben hatte , als sein Kollege gerade nicht hinsah . Er konnte die Philosophie , Schmerzen ertragen zu müssen , bis der Bruch gerichtet wird , nicht begreifen und war auch schon der Ansicht , dass der Beruf vieleicht doch nicht der Richtige für ihn sei . Also ging es Franz besser , als er zugeben wollte und in seinem Kopf formierte sich der Gedanke  Meer... Meer...Startseite