Impressionen einer Reha in Damp

So,jetzt sitzt Lillie in der schönsten Sonne,früh um neun in Hamburg am Bahnhofsvorplatz , gegenüber dem Kunstgewerbemuseum , es ist wunderbar , eine Stunde Aufenthalt , die ICE Fahrt von Berlin nach Hamburg kam Ihr vor wie eine S-Bahn Fahrt von Wittenau nach Wannsee.Sie schlürft einen Milchkaffee-wieder ohne Keks- es ist Mittwoch , ein Juppi telefoniert laut , die Polizei geht Streife und die Hamburger Luft , die hat so was... so sagte Sie mit Ole vor einem Jahr , als sie ein paar Tage in einem kleinen Hotel in Hamburg , St Pauli wohnten und sie feststellten , dass sie mit Hamburg noch lange nicht fertig sind...

Aber Damp , völlig neue Eindrücke springen Lillie an , Sie "liegt" in der Strandbar und sieht auf ein blaues Meer hinter der Mole , die Sonne scheint und sie trinkt ein Flensburger alkoholfrei . Sie mag diesen herben Geschmack , Menschen laufen vorbei , der Wind weht und ein Lied kommt von der Anlage der Strandbar herüber , Ihre Anwendungen hat sie alle hinter sich und nun gibt es bald Abendbrot , gottseidank hat sie nicht so viel Appetit , denn sie möchte ein paar Kilo abnehmen.Manche Menschen laufen wie aufgescheuchte Hühner herum und andere wieder tun so professionell , als ob sie jeden Tag kuren , die  , die neu ankommen , sind weiss , nach ein paar Tagen rot und je nach Typ , in einer Woche braun. Ab morgen ist Lillie dann nicht mehr die Neue , denn dann kann sie auch schon Ratschläge erteilen , zu Hause herrscht der blanke Neid , man darf gar nicht sagen , wie gut es einem geht.

Im Cafe Afri Cola bestellt sich Lillie einen Latte Macciato und sie sitzt in der Sonne auf einem Corbsofa , das sie sich gestern schon ausgesucht hat , die Füsse auf dem Corbtisch , die Sonne brennt , vieleicht bekommt sie einen Sonnenbrand , aber das ist nicht so schlimm, so lange bleibt sie nicht ,denn die nächste Anwendung ist schon in einer halben Stunde.

Sonntag - nun sitzt Sie in wieder in der Strandbar - das Wetter ist durchwachsen - einige Regentropfen kommen herunter - nur um dann zu sehen , dass sie noch nicht fällig sind. Lillie hat sich einen Kaffee geholt und schiebt etwas Frust , denn eigentlich wollte sie ins Schwimmbad gehen , aber sie hatte ihre Verordnung vergessen und hatte dann keine Lust noch einmal zurückzugehen ,aber als der erste Stress verflogen war dachte sie , was für ein Luxusproblem , denn dafür in der Strandbar zu sitzen und die Füsse im warmen Sand zu haben , ist eine tolle Alternative .

Wieder Sonnabend , morgen ist Sommeranfang und heute kommt auch prompt die Sonne raus wahrscheinlich extra für die Kieler Woche- vom Strand kommt laute Musik - Lillie hat ihr Buch ,der alte Mann und das Meer , gerade ausgelesen , sie genießt die abendliche Sonne , die Menschen flanieren an ihr vorbei , am Strand spielen die Kinder Volleyball und die Möwen kreischen . Gleich gibt es schon wieder Abendbrot und dann geht die Sonne weg . Lillie hat heute den ganzen Tag verschlafen , sie war so fertig von der ganzen Woche mit den vielen Anwendungen.

Sonntag , wie herrlich , Lillie ist ausgeschlafen , denn sie hat das Frühstück zugunsten des Schlafes  ausgelassen , sie sitzt im Strandkorb und genießt das ! Das Strandtreiben mit dem Gebrüll von der Strandbar aus einem Lautsprecher ( es ist irgendein Fest im Gange , aber es interessiert sie nicht ) denn allein das Sitzen im Strandkorb , die Blicke aufs Meer mit unglaublich vielen Segeln in der Ferne und das Kreischen der Möwen ist ein Luxus , den sie genießt , als sei es Kaviar auf Eiern , die es hier nicht gibt. Ein wenig kommt die Sonne raus es ist aber ganz schön kalt und sie hat Appetit auf einen Kaffee , aber sie kann nicht weg , denn sie ist allein hier und kann ihre Sachen nicht liegen lassen , aber sie hat noch Wasser und Kekse da und damit kann man unter den Umständen ganz gut auskommen. Im Nachbarkorb schreit dauernd ein Kind nach Mama und sie denkt , merkt ihr denn nicht ,das das Kind müde ist? Ein Motorboot flitzt vorbei und die blaugrauen Wolken weichen jetzt  ein wenig  Kumulus - und Schäfchenwolken , vieleicht wird es noch ein wenig wärmer und die Sonne kommt heraus-Jetzt drehen sie die Musik voll auf , aber durch den Wind verhuscht der Lärm und verliert sich auf See, die Wolken ziehen schnell dahin . Lillie macht ein Zustandsfoto von sich und erkennt , das sie glücklich ist , so gegrinst hat sie schon lange nicht mehr. Diese Zustandsfotos zeigen ihr , wie sie sich in Wirklichkeit fühlt , es ist wie eine Momentaufnahme ihrer Seele. Plötzlich kreischt etwas ganz fürchterlich hinter dem Strandkorb- sie springt auf , sieht aber nichts und fragt sich , ob Möwen auch so ein Geräusch verursachen können , ja sie können, eine ihrer Gattung kommt von links um den Strandkorb herum , er oder sie kommt näher und sieht sie verwundert an , die Möwe legt den Kopf nach links und nach rechts und verdreht die Augen. Lillie spricht mit ihr und ruft sofort Ole an ,der die Möwe Jonathan nennt. Jonathan hat gelbe Augen und einen gelben Schnabel er ist gross und sieht intelligent und neugierig aus . Lillie spricht mit ihm und fragt ihn , ob er Hunger hat , was Ole vermutete , sie fotofrafiert ihn und Jonathan spielt Fotomodell , dann als Lillie sich schon an ihn gewöhnt hat , geht er einfach weg . Aber es war ein netter Besuch ,denn trotz des Radaus von der Strandbar ist es ein wenig einsam hier am Strand , und so geht sie , bevor die Sonne untergeht, zurück.

Neuer Tag , es war total stressig , die Anwendungen überschlugen sich , aber nun belohnt sie sich und sitzt in der Strandbar ,die Sonne scheint  noch abendlich herüber und sie kann lümmeln , wo es niemanden interessiert ,das Fahrrad musste leider schon um 18 Uhr zurückgebracht werden , aber sie hatte eine verwunschene Mühle entdeckt und festgestellt  dass man auch so leben kann , obwohl sie sich das gar nicht vorstellen kann.Jonathan