aus dem Tagebuch eines Katers

Nachdem der Trubel vorbei ist und Mama weg , frage ich mich , warum ist es auf einmal so still , ich liege und warte , und ich denke , hoffentlich hat sie mich nicht für immer verlassen, denn das ist mir schon einmal passiert . Aber ich höre oben in der Wohnung Geräusche , also muss noch jemand da sein , vieleicht ist das die , die immer nach dem Kerl riecht , den ich ganz gut leiden kann , der zieht mich immer da am Schwanz , wo es mir gefällt , das finde ich gut , abwarten , die Treppenstufen knarren und im anderen Zimmer geht das Licht an . Ich stelle mich tot , denn ich bin immer noch sauer auf Mama , die so einfach weggeht , aber ganz schön traurig bin ich auch , also verkrieche ich mich in Mamas Kissen und stelle mich schlafend . Nun macht sie den Vorhang zur Seite und setzt sich aufs Bett , ich mag das nicht , Sie streichelt mich und flüstert Snumi...ich tu so , als höre ich das gar nicht ,hab kein Bock , aber sie streichelt mich und es ist auf einmal so schön , ja , das ist die mit dem Kerl , ok, ich tu mal so , als wenn ich überrascht  bin und mache mein Auge auf , hab ja nur das eine . Ich springe auf  und gähne ausgiebig , das zieht immer , dann schüttle ich mich und gehe im Kreis und sehe sie an , ja , sie lächelt und ich zeige plötzliche Freude , ich glaube , nun geht es uns beiden besser , mir , weil sie es ist ,denn mit ihr kann man auch nachts ausgiebig schmusen und sie gibt mir essen , wenn ich Hunger habe , Ihr geht es besser , das sehe ich , weil sie sich freut , dass ich sie wiedererkannt habe . Na , nun aber los , ich habe auf einmal ganz schönen Hunger und ich glaube , ich muss auch mal , also gehen wir die Stufen hoch , mein Gott , ich muss ja immer auf sie warten , dreimal muss ich mich umdrehen , bis sie endlich die Stufen schafft . Wir haben die Küche erreicht und sie holt auch gleich aus dem Schrank , wo meine Leckerbissen stehen , eine Büchse und macht sie auf , hoffentlich vergisst sie nicht , Wasser ins Essen zu tun , denn sonst schmeckt mir das nicht . Gut , sie hat es nicht vergessen , erst mal schnabulieren  und dann auf die Kuscheldecke , ich bin viel zu faul , jetzt wieder nach unten zu gehen und ausserdem bin ich viel zu neugierig , was sie so alles anstellt . Sie telefoniert erst mal mit dem Kerl , ach , ich muss ja schnell raus , denn ich bin auf einmal so müde ... Ich glaube , ich bin gleich eingeschlafen , denn ich weiss nur noch , dass ich nachts in ihr Bett gekrabbelt bin und wir noch geschmust haben , dann bin ich früh aufgewacht  und hatte ziemlichen Hunger . Ich werde wohl mein Hauptquartier im Wohnzimmer aufschlagen , denn ich könnte ja so einiges verpassen , wenn ich wieder nach unten gehe . Ich habe gehört , wie sie mit Mama gesprochen hat und weiss nun , dass es so einige Tage sein werden  , die ich mit der Rothaarigen verbringen muss . Sie hantiert in der Wohnung und plötzlich zieht sie ihre Jacke an , nimmt ihre Tasche und sagt zu mir  , mein Schnäuzelchen , das sagt sie oft , ich geh jetzt zum Sport und gleich kommt Sylvia und die kennst du ja , ich weiss bescheid , das ist die Feldmaus , die immer hin und her huscht und dabei die Möbel verrückt , aber abgesehen davon ist sie sehr nett , sie nennt mich immer Schnurrischnurr und das ist schön , aber trotzdem werde ich mal in Deckung gehen und meinen Sessel als Ausguck nehmen , denn da kann ich ganz gut unterm Tisch durchsehen , was so alles in der Wohnung passiert . Als Paula noch da war , musste ich immer aufpassen , denn Paula hatte immer Angst und rannte dann ganz schnell in den Garten . Manchmal kam sie erst zurück , wenn es wieder ruhig wurde , oder wenn Mama da war , denn dann wurde sie von ihr beschützt . Überhaupt konnte ich da nicht bei Mama im Bett schlafen , weil Paula dort mit Ihr allein sein wollte , jetzt habe ich die ganze Wohnung und Mama für mich , aber manchmal fehlt mir Paula doch , denn nun ist es manchmal ein bischen langweilig , aber dann gehe ich in den Garten , ich weiss ja , wo sie ist und ich besuche sie  , Mama soll es nicht sehen , denn dann wird sie traurig  , also mache ich das , wenn sie nicht da ist . Aber jetzt ist alles wieder still und gleich darauf höre ich , wie der Schlüssel sich umdreht , ah , da ist sie ja wieder  , na gut ,erst mal Begrüßung und Fresschen . Sie macht aber ganz schnell den Fernseher an , ach ja , ich weiß noch vom letzten Mal , diese Serie mit der herzzerreißenden Musik , die sieht sie immer noch ? Also , nach dem Fresschen und als die Serie zu Ende ist , packt sie ihre Tasche aus , ah , sie war einkaufen  , lauter Menschensachen , und endlich , Brekkis , aber oh Schreck , jetzt hat sie doch wieder die Falschen geholt , na gottseidank hat Mama  im Schrank meine Lieblingsbrekkis , die wird sie mir ja geben , wenn sie merkt , das dieses die Falschen sind . Abends bin ich faul und sie fleißig  , sie sitzt am Tisch und zeichnet , wenn sie hier ist , manchmal versuche ich einen Stift runterzuschmeissen , dann lacht sie oft und küsst mich . Der Fernseher läuft und ich liege auf meiner Kuscheldecke , es ist so gemütlich , ich fühle mich wohl und so gehen die Tage dahin . Heute ist der letzte Tag , ich merke es an der Unruhe  und dem Telefonat mit Mama und dem Bärtigen . Er kommt nachher und holt sie ab , ich denke mal , kurz darauf kommt Mama wieder , so ist es jedenfalls meistens  . Eine Sache ist noch , die mir ein bischen Sorgen macht , ich weiss nicht , ob ihr die Rothaarige gesagt hat , daß ich unartig war , als sie einmal vergessen hatte , die Tür zuzumachen und ich wieder diesen Geruch in der Nase hatte von einem Kerl , der hier nicht hingehörte und da konnte ich mich nicht beherrschen und habe das Kissen bestraft für diesen fiesen Geruch . Die Rothaarige hat mich dann mit der Nase hineingestukt , das war nicht nett und ich habe ganz schön lange geschmollt , aber ich war dann doch wieder lieb , weil sie wieder angekrochen kam und mich streichelte und sagte ,es tut ihr leid, dass sie mich gestukt hat . Ich freue mich auf den Kerl , der sie abholt , denn der streichelt mich wieder am Schwanz und als er in der Woche da war fand ich das wirklich gut , aber alles in allem bin ich froh , wieder meine Mama zu haben und freue mich ganz doll auf sie ....

aus dem Tagebuch eines Katers / gesprochen von Lilli van Berg