Franz Kapitel 2 / Seite 1

Nun war Franz also unterwegs und seine Träume und Gedanken gingen weit in die Vergangenheit zurück , er dachte wieder an seine Jugend auf Hiddensee in dem wunderschönen Haus , den Walterhof , wie er dort genannt wurde , der immer unfertig aussah und an dem immer gebaut wurde . Er wurde nie richtig fertig , weil der Hausherr , sein Vater , so oft auf Reisen war , aber das machte vieleicht auch den Charme des Hauses aus . Abends , in der Kaminhalle . die grossen Ledersessel , in denen Franz versank und das Kaminfeuer betrachtete , bekam er ein Gefühl für die Romantik , die man als Erwachsener erleben konnte . Der Kamin wurde nur angemacht , wenn der Vater zu Hause war , die Haushälterin , die Ihre eigenen Gäste hatte , bewirtete sie in den hinteren Zimmern . Später , als Franz 14 war , zündete er sich allein den Kamin an und legte sich in das Riesenbett , das an der hinteren Wand der Kaminhalle stand . Er fühlte sich dann schon erwachsen und die Sehnsucht nach seinem Vater war dann nicht so groß . Im Sommer waren ständig Gäste in den zwei Zimmern ,die vermietet wurden , in dem einen Zimmer waren in der Saison ständig Kellnerinnen oder Zimmermädchen einquartiert , dann war immer viel Trubel im Haus , denn diese jumgen Mädchen kamen meist aus der Provinz und hatten unbändigen Lebenshunger , oft hatten sie sogar das Meer noch nie gesehen und sie waren so herrlich naiv . Zum Ende September wurde es dann schon etwas ruhiger und wenn im Oktober die letzten Urlauber und Saisonarbeiter von der Insel verschwunden waren und der Novemberwind über die Hucke fegte ,  ging Franz zu seiner Lieblingsstelle an der Steilküste , den Weg gleich hinterm Haus  zum Steilküstenweg  , versteckt und abseits vom Weg . Dort konnte er sein Alleinsein zelebrieren , ohne lästige Fragen nach seiner Mutter , die schon lange unterwegs in der grossen Welt ohne Franz war . Von seinem Versteck konnte er weit übers Meer bis zur Insel Moen sehen und in der Ferne die Schiffe verfolgen , auf ihrer Route in die Welt und er wünschte sich oft nichts sehnlicher , als ein Seemann zu sein und um die Welt zu fahren , aber die Vorstellung , sich mit vielen rauhen Männern in einer winzigen Kabine zu drängen , schreckte ihn dann doch ab . Ihn trieb es , Geschichten zu erfinden und sie aufzuschreiben . Heimlich schrieb er seine Schulhefte mit selbsterdachten Geschichten voll und zeichnete dazu selbst die Gestalten ... der  Krankenwagen hielt  und der Fahrer fragte , ob er auch einen Kaffee und etwas zu essen möchte . Franz bedankte sich und sagte , ja  , ein Kaffee wäre gut  , aber Hunger habe er nicht , denn Ihm war etwas schlecht von der Autofahrt . Aber das war bei Ihm schon immer so . Der Fahrer hieß Klaus und nachdem man sich vorgestellt hatte , erzählte dieser ein wenig von sich  , er sagte , diese Fahrten , die mache er öfter und sie wären ihm lieb , denn dann konnte er auf der Rückfahrt noch ein wenig trödeln und nun , da er dann am Meer war , mal schnell reinspringen , denn das Wetter war noch schön  , zwar kalt , aber er sei abgehärtet . Franz interessierte sich für seine Geschichten , war aber nur mit halbem Ohr dabei und hatte Schmerzen , aber das schien Klaus nicht zu bemerken . Nach einer halben Stunde fuhren sie weiter und nun konnte sich Franz wieder seinen Gedanken hingeben , etwa zwei Stunden lagen noch vor Ihm und er tauchte wieder in die Gedankenwelt ein , er war bei seinen geschriebenen Geschichten  , die zum gro0en Teil noch bei seinem Vater lagen , denn er hatte auch all seine Sachen aus dem Walterhof mitgenommen und in seiner Berliner Wohnung gelagert . Franz sah diese Arbeiten als ein Relikt aus der Vergangenheit an  , die er in seiner Zukunft nicht brauchte  . Als er in T. ein neues Leben als  Kranfahrer anfing , wollte er etwas ganz anderes , etwas technisches  arbeiten und sich seine künstlerischen Ambitionen aus dem Kopf schlagen . Dort , wo ihn niemand kannte und nur sein Aussehen und seine Ausstrahlung eine Rolle spielten , dort hatte er versucht , Fuss zu fassen und ein einfaches Leben als Franz T. zu führen , der solide , nette , unkomplizierte Nachbar von nebenan , der keine Hobbys hatte und ein einfaches , solides Leben führte . Es war ein Versuch und beinehe hätte es geklappt , denn eine hübsche , blonde Verkäuferin aus dem Supermarkt hatte ihm schöne Augen gemacht , er war zweimal mit ihr ausgegangen , ehe ihn der Mut verließ , denn wenn er den Gedanken weiterdachte , Kuss , Beziehung , Kind , Heirat , dann wurde ihm mulmig , dann  hätte er festgesessen für den Rest seines Lebens  . Aber plötzlich wurde ihm klar , wieviel er , Franz , in seinem Leben noch tun wollte , und die zwei verlorengegangenen Jahre in T . kamen dazu , aber man konnte das auch anders sehen , und zwar zwei Jahre Erfahrungswerte in einer kleinen Stadt . Nun wußte er , was er nicht wollte .Startseite