Franz Kapitel 2 / Seite 2

 

So schön hatte sich Franz das Zimmer wirklich nicht vorgestellt , eine Sitzgruppe  mit einem Sessel und einem gemütlichen Sofa beherrschte das Bild des Raumes . Der Blick wurde jedoch gefesselt von der blauen Weite , die durch das Fenster , das von Wand zu Wand verlief , erzeugt wurde. Es zog Franz natürlich sofort auf den Balkon . Fast hätte er den Rollstuhl und Frau Berger vergessen , er fuhr bis zum Fenster und wie auf Kommando schob sich die Scheibe zur Seite und öffnete die Tür . Es gab keine Hindernisse und der Balkon war geräumig und so konnte er ungehindert weit bis aufs offene Meer hinausblicken . Frau Berger war in diesen Augenblicken zurückgetreten und gab Ihrem Patienten die Möglichkeit, sich zu orientieren und auch seine Fassung wiederzufinden . Aus Erfahrung wußte sie , dass die ersten Momente des Patienten im neuen Zimmer viel mit der Heilung und dem positiven Empfinden zu tun hatte  . Franz war ganz in sich versunken und  saß lange regungslos in seinem Rollstuhl und sah in die Ferne , ein heimatliches Gefühl schlich sich in seine Seele und obwohl es nicht die Ostsee war , so spürte er doch die Lust zu leben und dachte , ja , hier kann ich gesund werden und in Ruhe über meine Zukunft nachdenken . Er musste den Kopf etwas recken , weil die Brüstung ziemlich hoch war und nun tat Ihm ein wenig der Nacken weh , und so drehte er sich um und fuhr zurück ins Zimmer . Entschuldigen sie , Frau Berger , ich hatte um mich herum alles vergessen , sie spürte , dass er nun allein sein wollte und fragte nur , ob es ihm morgen um 10 Uhr passen würde , dann hätte er  die Untersuchung bei der Ärztin und das Einführungsgespräch hinter sich , ja , sagte er , sehr gerne und vielen Dank für die Begleitung . Zum Abschied gab sie Ihm ihre kleine Hand und Ihm fiel ein aussergewöhnlich schöner Ring auf , den sie an der rechten Hand trug , ein kleiner goldener Reif mit einem ovalen Rubin in einer Fassung aus Silber und irgendwie zuckte in seiner Erinnerung ein Gedanke auf , der jedoch sofort wieder verschwand , ich kenne den Ring , er sah in ihr Gesicht und sah ihre schönen , blauen Augen , die ihn anlächelten und Freundschaft versprachen . Schnell verließ sie den Raum und er blieb einen Augenblick verdutzt zurück . Also , gut , dachte er , weiter im Text , erst einmal die praktischen Arbeiten, er wollte sein Gepäck auspacken, sah aber nach einem Blick in den Wandschrank , dass schon alles erledigt war und merkte auf einmal , wie müde er eigentlich war , es war 16 Uhr nachmittags und er dachte , ein Kaffee wäre nicht schlecht , er hatte , nur für die ersten Tage , eine Klingel bekommen und so drückte er auf den Knopf und wartete . Als es an der Tür klopfte und ein grosser , schlanker Pfleger  den Raum betrat , bat er Ihn , Ihm zu helfen ins Bett zu kommen und einen Kaffe zu organisieren ,das alles war nach etwa einer halben Stunde erledigt , und Franz lag völlig geschafft in seinem Bett , das wirklich sehr bequem war . Bevor der nette Pfleger , der Torsten hieß und 19 Jahre alt war und aus Bayern kam , ging , fragte ihn Franz noch vorsichtig , im Gespräch , nach Frau  Berger aus . Ach , die Franzi , sagte er in einem leichten Plauderton , der den bayerischen Akzent betonte , ja die is doll und so hübsch , aber die lässt keinen ran , is nett, aber reseviert und malt in ihrer Freizeit , ist aber auch im Klinikchor , also die hat eine dolle Stimme , sag ich ihnen . Dann verabschiedete er sich und Franz blieb mit mehr Informationen , als Ihm lieb waren , zurück .  Nachdenklich legte er sich auf sein weiches Kissen und schloss die Augen . Das Fenster war offen und von draussen kam der leichte Nordwind und das Rauschen des Meeres , denn die Ebbe war vorbei und die Flut kam gerade zurück . So  schlief er ein und  dank der Schmerztabletten bis zum nächsten Morgen traumlos durch .Franz