Franz

 

Am nächsten Morgen um 6 Uhr klopfte es an der Tür und eine junge Frau im gelben T - Shirt mit der Aufschrift GYM trat ins Zimmer , sie sah frisch und strahlend aus , so als hätte sie einen Waldlauf hinter sich und rief fröhlich Moin , Moin , Herr T . Ich bin Claudia und wollte sie fragen , ob sie Hunger haben oder sie Hilfe brauchen . Kommen sie denn schon mit den Gehhilfen klar ? Franz war noch verschlafen und und streckte sich verstohlen , ja , sagte er , Hunger habe ich schon, denn gestern habe ich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen . Claudia lächelte und sagte , ich hole dann mal Ihr Frühstück und dann bringe ich sie zur Oberärztin . Machen sie nur alles in Ruhe , wir haben Zeit , und sie war aus der Tür . Franz versuchte zu lächeln , aber er hatte ganz plötzlich Schmerzen und er setzte sich mühsam auf die Bettkante . Die Krücken standen rechts von ihm und nachdem er vorsichtg mit dem linken Fuss auftrat , griff er danach , aber der Fussboden war so glatt und er rutschte weg und fiel mit dem Hintern , fast wie in Zeitlupe , auf den Fussboden . Instinktiv riß er den rechten Fuss hoch , so dass er nicht auf den Boden krachte . Oh mein Gott , dachte er und ihm entkam ein lautes Au , aber irgendwie war ihm auch nach lachen zumute  , denn nun lag er in dieser lächerlichen Position und kam von allein nicht wieder hoch . Also versuchte er nach oben ins Bett zu greifen und an den Drücker heranzukommen , aber dabei rutschte er immer weiter vom Bett weg und da sein Bein ziemlich wehtat , stöhnte er laut und rief , oh nein .

Reiß Dich zusammen , dachte er und strengte sich an , die Schmerzen nicht achtend . Mit äußerster Willensanstrengung gelang es Ihm , mit der rechten Hand eine Krücke zu greifen und sie an sich heranzuziehen , nun holte er erst einmal kräftig Luft und entspannte sich eine kurze Minute lang , es geht doch , dachte er . Er  hakelte  mit der vorhandenen Krücke die andere an seine Seite , die daraufhin erst einmal auf den Fussboden knallte und einigen Krach verursachte , er zog sie auf dem glatten Boden zu sich heran und durch eine Drehung des Körpers  griff er mit der linken Hand danach und zog sie zu sich heran . Geschafft , dachte er , in der nächsten Zeit werden wohl immer wieder solche Situationen eintreten und ich muss lernen , damit umzugehen . Der Rest war ein Kinderspiel , denn nun hatte Franz den Ehrgeiz entwickelt , sich selbst aus misslichen Situationen zu befreien und er nahm sich vor , so unabhängig wie möglich zu sein . So gelang es Ihm ins Bad zu kommen und nach einigen Versuchen , die Zähne zu putzen und sich zu waschen und sogar zu rasieren , denn er fand dort alles vor , was er dazu benötigte , man hatte Ihm seine Kulturtasche und einige Utensilien ,wie Shampoo, Kamm und noch einige Sachen bereitgestellt . Als Franz einigermaßen zufrieden in den Spiegel sah , betrachtete er sich aufmerksam , ein wenig blass sah er noch aus , aber seine blauen Augen strahlten schon wieder und die langen , hellbraunen Wimpern gaben seinem Blick eine gewisse  geheimnisumwitterte Ausstrahlung . Seine Sommersprossen , die er immer gehasst hatte , wurden , je älter er wurde , langsam zu seinen Freunden und manchmal gab er einigen von Ihnen Namen , natürlich weibliche . Susi , die Größte , gleich rechts neben seiner gerade gewachsenen Nase , berührte er liebevoll und sagte , also gut , Ihr Süssen , gehen wir es an , gleich kommt die hübsche Claudia und ich will doch einen guten Eindruck machen  . zum Schluss nahm er noch sein Lieblingsparfüm und nahm dann die Krücken und betrat das Zimmer , in dem seit einer Minute schon Claudia stand und das Tablett mit dampfendem Kaffee , Brötchen und Marmelade auf den Tisch gestellt hatte . Oh , sagte Franz , das ist entzückend von Ihnen , ich habe auch wirklich Hunger , und Claudia sagte , gerne , Herr K. Oder darf ich Franz sagen , denn hier sprechen wir uns oft beim Vornamen an . Aber natürlich , aber nur , wenn ich Sie Claudia nennen darf , sehr gerne  Franz , rief sie und war schon wieder an der Tür , ich muss jetzt noch zu Heinrich und in einer halben Stunde bin ich wieder hier und hole Sie ab und bringe Sie zur Ärztin . Danke Claudia rief Franz , sich Ihrer forschen Art anschließend , ich freue mich . Guten Appetit , rief sie noch und dann war Franz schon wieder allein . Umständlich setzte er sich an den Tisch und nun gab er sich ganz seinem Frühstück hin , denn er hatte doch wirklich Hunger , er aß fast alles auf , der Kaffe war ertäglich , aber er nahm sich doch vor , sich löslichen Kaffee zu besorgen und vieleicht einen Wasserkocher , vieleicht konnten Ihm Claudia oder die Rezeptionistin behilflich sein . Franz überdachte seine Situation und plötzlich kam Ihm die kleine rothaarige Betreuerin in den Sinn  , wie hieß sie nur , dachte er  , aber es fiel Ihm nicht mehr ein , nur der Ring erschien plötzlich wieder vor seinem geistigen Auge und er dachte , ja , ich kenne ihn . Aber das war nur ein Moment und seine Gedanken gingen weiter  und wie ein Blitz traf Ihn die Erkenntnis , dass er ja ganz vergessen oder verdrängt hatte , seinen Vater anzurufen , nun würde er sicher wieder denken , er ; Franz wäre unzuverlässig , aber auch diesen Gedanken schob er wieder zur Seite mit leichtem Grinsen , verschieben wir  es doch auf Morgen , und dachte an " vom Winde verweht " , wenn das die Frauen wüßten , dachte er und sein Grinsen vertiefte sich . Er fuhr sich mit der Hand durch das rotblonde Haar , das im Sommer und am Wasser immer eine hellblonde Tönung annahm und stellte fest , dass es gar nicht so schlimm war , hier und nicht in Berlin zu sein . Franzi , rief plötzlich sein Unterbewußtsein...Franz Kapitel 2