Franz 3

Kapitel 2  Seite 4

Franzi , rief plötzlich sein Unterbewußtsein , denn offensichtlich hatte es , trotz anderer Gedanken , weiter daran gearbeitet wie die kleine Betreuerin ( sie ist keine Betreuerin ) schrie das Unterbewußtsein , nein sie ist Physiotherapeutin , Frau Berger , aber Franzi klingt schön , Franz und Franzi , er mußte lächeln. Er nahm seine Gehhilfen und humpelte in Richtung Balkon , wie gestern glitt das Glas wie durch Zauberei auseinander und ein kühler Morgenwind wehte in den Raum , er betrat den Balkon und holte ganz tief Luft - und noch einmal , er dachte , das wird meinem Asthma guttun und seine schönen hellblauen Augen weiteten sich , das Meer...Es war gerade Ebbe  und deswegen nur in der Ferne zu sehen , vorn sah es aus wie ein Tagebau ,aber man konnte einige Wattwanderer in der Ferne sehen , sie gingen alle in seine Richtung , also vermutete er , daß die Flut bald  zurückkommen musste . Aber einige Menschen gingen auch über die Holzplanken in Richtung Meer , dort war auch ein Restaurant und eine Strandbar , die sehr einladend aussah - oh , dachte er , wenn es ein wenig wärmer wird , kann man dort bestimmt sehr schön sitzen und träumen ...Jetzt fröstelte Ihn ein wenig , denn es war Ende März und die Morgen noch ziemlich kalt , also drehte er sich um und ging zurück ins Zimmer . Als er in  Richtung Bett ging , schloss sich hinter Ihm lautlos das Fenster und er legte sich auf sein Bett und sah noch einmal zur Uhr - es war kurz vor 8 Uhr  , also noch ein wenig Zeit Zeit bis zum Arztbesuch und kaum lag Franz im Bett , schlief er auch schon fest und hatte einen Traum...

Er sah aus großer Höhe auf einen Strand herab , er sah sich um , denn er fühlte sich so leicht und heiter und sah an sich herunter  , wie seltsam , er trug ein weisses Gewand und als er sich bewegte , hörte er ein leichtes Surren auf seinem Rücken , als er sich umsah , erblickte er zwei riesige Flügel aus goldenem Gespinst , die sich bei jeder kleinen Bewegung auf und ab  bewegten . Oh , ja , ich bin ein Engel , dachte er und war nicht im Geringsten überrascht , aber er war kein Mann , fühlte er , denn er fühlte keinen Penis an seinem Körper , aber auch keine Brust , er war ein geschlechtsloses , undefinierbares Wesen ,  gewichtslos und glücklich , er dachte nicht weiter darüber nach und stürzte sich , ohne zu überlegen , aus seiner türkisfarbenen Wolke in die Tiefe . Das Wesen breitete die Arme und Flügel aus und flog durch goldene Luft , die nach Orchidee und Vanille roch . Der Strand kam schnell näher und nun konnte das Wesen Einzelheiten erkennen und sah ein olivgrünes Meer und einen Strand ohne Ende , in der Ferne sah es schwarze Felsen und am Strand standen wilde Apfelbäume mit schwarzen Früchten . Das Meer brandete an einen Strand , auf dem ein seltsames , riesiges Tier stand , um das herum eine kleine  Elfe in einem weissen Kleid flog und glücklich in die Augen des  Tieres sah . Als sie den Engel erblickte , erschrak sie so sehr , dass sie abstürzte und auf den Strand aufschlug und starr vor Schreck auf den Engel blickte . Dieser Engel nahm die Elfe und hob sie ganz sanft auf das seltsame Tier , das mit grossen , gütigen Augen abwechselnd auf sie und den Engel blickte , ein glockenartiger Klang lag in der Luft und in den Augen des Tieres , das seine langen , wellenartigen Wimpern senkte , lag Liebe . Der Engel fühlte eine grosse , tiefe Befriedigung und Tränen liefen über seine Wangen , die kaum in der Luft angekommen zu Wattebäuschen wurden , die sich in Wolken verwandelten . Er war so gerührt und voller Liebe ...und hörte das Meer rauschen , das durch das geöffnete Fenster ins Zimmer strömte ...ganz verwirrt wachte Franz auf und wußte im erste Augenblick nicht , wo er war , eine zarte Hand strich über seine Wange und eine schöne Frau beugte sich über ihn und flüsterte seinen Namen , sie roch so unendlich gut , er wollte sie berühren , aber seine Hand glitt ins Leere - nun war er wirklich wach  - aber in seinem Kopf formierte sich ein Name - Franzi ...Er sah zur Uhr und erschrak , es war 10 Minuten vor 10 - schnell sprang er aus dem Bett und hätte beinahe seine Behinderung vergessen - aber es ging alles gut - er wunderte sich , dass Claudia ihn nicht abgeholt hatte , aber sie hatte sicher ihre Gründe. Er setzte sich , getreu seines Vorsatzes , alles selbst in die Hand zu nehmen , in seinen Rollstuhl und dachte , am besten fahre ich zu Frau Kaja an die Rezeption und frage , wo die Etage der Untersuchung im Haus ist . Er nahm seine Versicherungskarte , zog sich die Jacke an und fuhr zur Tür , schloss sie ab und fuhr zum Fahrstuhl , soweit - so gut , dachte er , ich schaffe das auch allein . Am Fahrstuhl stand schon ein junger Mann im weissen Jogginganzug mit gelben Streifen und gelben Turnschuhen , guten Morgen sagte Franz zu Ihm , guten Morgen , antwortete der junge Mann und sah Ihn fragend an , kann ich Ihnen helfen ? Oh ja , entfuhr es Franz, vieleicht können sie mir sagen in welcher Etage die Ärztin ist ,  natürlich , erwiederte der Jüngling und seine schwarzen Augen strahlten Ihn an , im ersten Stock , oh , danke rief Franz , das erspart mir einen Weg , denn um 10 Uhr habe ich schon meinen Termin . Ich hab noch ein wenig Zeit , ehe mein Kurs anfängt , wenn sie mögen fahre ich sie dorthin und liefere sie ab und er hielt ihm seine Hand entgegen , ich heisse übrigens Ludwig  , oh , das ist nett , ich heiße Franz und nehme gerne diese Gelegenheit wahr und  Ihr Angebot an , denn ich bin erst seit gestern hier - Endlich kam auch der Fahrstuhl und Ludwig fuhr Franz ganz selbstverständlich hinein, ein hübscher Bursche , dachte Franz und sehr sympatisch , vieleicht kann ich ja mit Ihm mal in die Strandbar und ein wenig plaudern...Wie heißt denn ihre Ärztin, fragte Ludwig , ich glaube Frau Heger oder so , aber hier ist ja schon die Anmeldung , vielen Dank , Ludwig , das war sehr nett von Ihnen , wir haben ja , glaube ich Zimmer auf der gleichen Etage ? Ja , sagte Ludwig , ich hab 906 und Franz sagte , ich habe Zimmer Nummer 911 , OK , rief Ludwig noch im Weggehen , ich melde mich mal , einen schönen Tag und schon war er um die nächste Ecke . Nun hat er es aber doch eilig , dachte Franz und klopfte beherzt an die Tür mit der Aufschrift Anmeldung - ja rief es von Innen , einen Moment bitte - und Franz lehnte sich im Rollstuhl zurück - nun galt es warten , er sah den Gang hoch und runter und Ihm fiel auf ,wie sauber und ordentlich alles war . Zwei Leute , ein älterer Mann mit grauem Hut in der Hand und unruhig blickenden kleinen Augen und eine junge , kräftige Frau , die versteckt an Ihren Fingernägeln kaute und sich ab und zu durch das kurzgeschnittene , aschblonde Haar fuhr , saßen ein paar Stühle weiter entfernt und beide beachteten Ihn nicht - Er blieb also sitzen und sinnierte vor sich hin - wie geht es nun finanziell weiter , aber natürlich , Krankengeld bekam er ja , obwohl er seinen Job beendet hatte , oder ? er musste nochmal mit seinem Chef sprechen - es wird schon gehen und hier brauche ich nichts weiter und ausserdem habe ich ja noch die 10-Tausend von Vater ( oh , ich denke Vater und nicht Gregor ) er hatte das Geld noch nicht angerührt , um es Ihm einmal um die Ohren werfen zu können , aber nun kann ich darauf zurückgreifen , warum nicht ...soweit kam er mit seinen Gedanken , dann ging die Tür auf und eine freundliche , ältere Dame mit angegrauten Haaren und Nickelbrille sah um die Ecke und fragte, sind sie Herr T . ? , ja , ich habe einen Termin zur Antrittsuntersuchung , ja , ich weiß , kommen sie doch herein , Herr T. , Schwester Claudia läßt sich herzlich entschuldigen , sie musste ganz plötzlich zu einer Besprechung , die nicht angesagt war , Sie bat mich , sie auf Ihrem Zimmer anzurufen , aber sie waren wahrscheinlich schon unterwegs , aber nun fahre ich Sie gleich zu Dr . Herrmann , sie erwartet sie schon . Vielen >Dank , Frau ...und er setzte sich seine Lesebrille auf , die er auf dem Kopf hatte , auf und sah auf Ihr Namensschild ...Frau Weber... ja gerne sagte sie , nahm seine Akte vom Tisch und fur ihn zwei Zimmer weiter . Sie bat Ihn zu warten bis Frau Doktor Herrmann sich meldet und ging , danke , sagte Franz und war wieder allein , aber nicht lange , kurz darauf ging die Tür auf und eine große , kräftige , jung ergraute Frau kam aus der Tür . Sie reichte Ihm die Hand und bat Ihn hinein . Der Händedruck war sehr kräftig und Franz rieb sich verstohlen die Hand , sie sah es und lächelte , entschuldigen sie bitte , aber mein Händedruck ist da , wo ich herkomme , legendär . Oh , dachte Franz , wo mag sie wohl herkommen, aber er hörte es schon an Ihrem Akzent , ein wenig russisch...Bitte ziehen sie sich bis auf die Unterwäsche aus und legen sie sich auf die Untersuchungsliege , sie sprach sehr höflich und bestimmt und sah Ihn nicht an . Franz tat wie Ihm geheißen und nach etwas Gestöhn und Geächz bekam er die Aufgabe in den Griff und humpelte zum Bett . Während der Zeit hatte sich Frau Herrmann an den Schreibtisch gesetzt und bearbeitete Ihren PC. Man sah , dass sie so einige Schwierigkeiten damit hatte , denn es dauerte lange , bis sie die Daten aufgerufen hatte und sie bearbeitete . Dann kam sie zur Liege und untersuchte Franz sehr gründlich und fragte Ihn nach Schmerzen und vorangegangenen Krankheiten . Sie können sich nun anziehen und , wenn es geht     ( sie zeigte auf sein Bein ) können sie sich an den Schreibtisch setzen . Aber natürlich , sagte Franz , ich schaff das schon und sie fragte nun weiter nach Krankheiten , Allergien und vorangegangenen Brüchen . Als Franz saß und sie einige Daten eingetragen hatte , setzte sie sich plötzlich gerade auf Ihren Stuhl und sah ihn voller Aufmerksamkeit an . So , Herr T. , nun besprechen wir in aller Ruhe  , wie wir sie am Besten wieder gesund bekommen , und ob wir eine Verlängerung Ihres Aufenthaltes für sinnvoll halten . Ich würde vorschlagen , sie machen Krankengymnastik , Lympfdrainage , Massage , medizinisches Schwimmen und autogenes Training , sowie für ihr Asthma Inhalation und Training an den Geräten im Fitnesbereich ...Als Franz ...Startseite