Fortsetzungsroman Franz

Wieder wollten seine Gedanken in die Vergangenheit abdriften , wie schon so oft in den letzten Tagen und Franz schaute eine gefühlte Ewigkeit aus dem Fenster , als sein Gegenüber , Herr Falkensee  ihn plötzlich , zwischen zwei Bissen , über seinen Teller hinweg ansah und lächelte . Bei Ihm sah das Lächeln , Franz konnte sich nicht helfen , ein wenig schief und verlegen aus . Na , erst angekommen ? kam noch ein wenig kauend aus seinem Mund . Franz`s Verstand schoß augenblicklich in die Gegenwart zurück und er sah Ihn an . Ja , ich bin erst einen Tag hier , kam gestern Mittag , aber ich habe das Abendbrot verschlafen und das Frühstück heute ausnahmsweise auf dem Zimmer eingenommen . Dann war ich zur Antrittsuntersuchung und nun bin ich hier ...Sein Tischnachbar hatte von dem ganzen Redefluß wohl nur mitbekommen , Frühstück auf dem Zimmer  - seine Augen wurden ganz groß und er stammelte wa , was , das gibt es auch ? dann fing er sich offensichtlich wieder und sagte , schon wieder in seiner ironischen Ausdrucksweise , aha , da müssen Sie  , oder wollen wir du sagen , aber einen Stein im Brett haben . Wer war denn das gute Mädchen ? und er sah Franz erwartungsvoll an . Franz lachte laut , denn er war so überrascht von dem Redeschwall , dass er sich amüsierte . Es tat Ihm gut , denn es lockerte Ihn auf und er dachte , das wird sicher erfrischend , hier zu essen . Also , sagte er, auch lächelnd , zwei Fragen auf einmal , erstmal natürlich Du , ich heiße Franz , und ich Wolfgang, ach Gott , dachte Franz, Wolfgang , war das nicht Nico ? und die zweite Frage , sie heißt Claudia und hat mich dann leider versetzt , als sie mich abholen wollte , aber sonst ist sie sie sehr nett . Das will ich meinen , sagte Wolfgang genüßlich , sie ist eine sehr hübsche Person , aber nicht zu Jedem so nett . Er betrachtete Franz näher und sah ihn wohlwollend an , ich glaube , Du passt gut zu uns dreien , die zwei anderen , Jessy und Gernot sind heute nicht da . Sie machen einen Ausflug zur Insel Hiddensee ( ein Schlag ging durch sein Herz ) , aber Franz sagte nichts , aber morgen kannst du sie kennenlernen . Ihr Gespräch wurde unterbrochen durch eine schlanke Blondine , die mit einem Tablett und einem Teller mit Nudeln kam und Franz fragte , ob er die haben möchte , sie sind gerade übrig , aber wenn sie etwas anderes essen möchten , dann bringe ich ihnen auch etwas anderes , sagte sie sehr schnell und sah ihn erwartungsvoll an , Franz fühlte sich überrumpelt und sagte , ach lassen sie nur alles hier , ich ess das schon auf . Danke sagte sie, stellte das Tablett auf den Tisch und rauschte ganz schnell , ohne einen Blick zurückzuwerfen , ab .Was war denn das , fagte amüsiert Franz , Wolfgang machte nur eine Geste wie , ach lass... dann stand er auf und sagte , ich muss jetzt gehen , denn ich habe jetzt autogenes Training , ausgerechnet nach dem Essen , da schläft man immer fast ein , aber wenn du abends mal Lust hast , wir vier treffen uns oft im Clubraum 2 und spielen Karten , so um 19 Uhr ... bis dann und nahm sich seine Gehhilfe und  humpelte  davon . Franz war nun allein und widmete sich den Nudeln , die leidlich gut schmeckten , aber er hatte keinen Appetit und aß lustlos ein paar Happen , dann sah er wieder aus dem Fenster und war sofort wieder im Tagtraummodus ...Hiddensee da war sie  wieder , die Vergangenheit ...Im Geist lief er seinen Lieblingsweg , aus der weissen kleinen Gartentür links den ausgetretenen Grasweg entlang , vorbei an der großen Kaminhalle zu den  Kiefern , die sich durch den ständigen Seewind in Richtung Inselinneres gebogen hatten . Er trat in ihren Schatten und ging , immer den Wind im Gesicht , auf das Meer zu . Außer dem Rauschen des Windes in den Bäumen und der Brandung , die man mit jedem Schritt stärker hörte , existierte nichts . Er gab sich diesem Gefühl , das er jedesmal hatte, wenn er diesen Weg ging , ganz hin . In Gedanken ging er weiter und die Brandung wurde lauter , jetzt kam seine Lieblingsstelle , wie in einem Film , der ablief , die Bäume lichteten sich und er sah das Meer . Es war jedesmal so berauschend und fast feierlich , dass er Tränen in den Augen hatte , denn schon als Kind wußte er , dass das alles einmal für immer vorbei sein würde und er dieses traumhafte Leben nicht führen würde . Warum das so war , das wußte er nicht und er konnte es auch bis heute nicht verstehen . Er wußte nur , er mußte jeden Augenblick , den er auf der Insel verbrachte , genießen . Dann ging er nach rechts immer den Weg entlang , der mit kleinen Holzscheiten und Draht abgetrennt war von der Uferböschung und rechts von den angepflanzten Dünen , mit denen man vergeblich verhindern wollte, dass die Insel immer schmaler wurde . Meistens blieb er eine Weile stehen und gab sich dem Wind mit geschlossenen Augen hin , er spürte die Brise auf der Haut und roch das Meer . Dann ging er langsam weiter in Richtung Leuchtturm und näherte sich seiner Lieblingsstelle , er musste , um sie zu erreichen , links über den kleinen Zaun steigen und in einer Biegung verschwinden  , die ein wenig nach unten in eine Einbuchtung in der Felswand mündete . Hier war zwischen Dünen und Sand und Wurzeln ein kleiner , natürlicher Sitz entstanden , den er manchmal seinen Thron nannte . Wenn er hier ankam , und sich setzte und stumm auf das Meer hinausschaute , war ihm fast immer wehmütig ums Herz und er konnte meist die Tränen nicht zurückhalten . Wenn er sich beruhigt hatte , nahm er aus seiner Hosentasche ein kleines Heftchen , das er sich sebst gebastelt hatte und einen abgeknickten Bleistift und schrieb seine Gedanken auf,  die oft mit seiner abwesenden Mutter und seinem Vater , der immer auf Reisen war , zu tun hatten . Er schrieb das sehr regelmäßig und dann , wenn sein Schwall von Gedanken sich wieder etwas geordnet hatte , nahm er ein zweites , kleines Büchlein aus der Tache und hier schrieb er an seinen Gedichten und  Kurzgeschichten . Manchmal , wenn die Sonne brannte oder wenn sich an die Hucke ,wie die Felswand genannt wurde , ein paar Urlauber verirrt hatten , war er  abenteuerlustig und nahm sein kleines , altes einäugiges Fernrohr aus einer Geheimtasche an der hinteren Hosentasche , die er selbst eingenäht hatte und beobachtete , was dort so vor sich ging . Er bildete sich ein , man sah das Fernrohr nicht , da er immer dicke Pullover über der Hose trug und er so dünn war , dass man es gut verstecken konnte .  Jetzt fiel Ihm gerade eine kleine Episode ein , die ihn manchmal zum Lächeln brachte , wenn er daran dachte , manchmal machte sie ihn aber auch traurig. Er schrieb mal wieder in sein Büchlein und plötzlich kam ein Kinderlachen vom Strand hochgeflogen , dem er sich nicht entziehen konnte , er war damals 13 Jahre alt und hatte mit Mädchen noch nicht so viel zu tun , er sah hinunter von seinem "Thron" und da man ihn nicht sehen konnte , nahm er sein Fernrohr und suchte nach dem Lachen . Ein blondes , zartes , etwa 12 - jähriges Mädchen lief leichtfüssig am Strand entlang und sang ein Lied , sie drehte sich und ihre langen Haare flogen im Wind , immer wieder fiel sie hin , weil die Steine am Strand so groß waren und sie nicht nach unten sah , aber sie stand immer wieder auf und lachte darüber . Franz war wie vom Donner gerührt , er konnte seine Augen nicht abwenden und war völlig fasziniert von der kleinen Schönheit . Plötzlich schrie sie auf und stürzte wieder zu Boden , doch diesesmal stand sie nicht wieder auf , sondern schrie weiter . Das Herz schlug ihm bis zum Hals , was sollte er tun ? Er sah eine Frau und einen Mann auf das Mädchen zulaufen und der Mann nahm das Kind auf den Arm und trug es , so schnell er konnte , in Richtung Heimatmuseum davon . Ohne zu überlegen und nur von dem Wunsch beseelt , das Mädchen kennenzulernen , lief Franz wie besessen in Richtung  Treppe , um die Steilküste hinunterzulaufen , doch im Laufen kam ihm der Gedanke , dass er sie ja nie einholen würde , also kehrte er ganz schnell um und lief in entgegengesetzter Richtung den Weg zurück , am Haus vorbei , dann rechts den Sandweg an der Bäckerei entlang und links am Dornbusch zum Hafen . Er dachte , sie bringen sie vieleicht aufs Festland , als er völlig außer Atem dort ankam , sah er , dass gerade die Fähre Hiddensee dabei war , abzulegen . Er rannte am Schiff entlang und Fiete , der Schiffsmaat rief ihm zu, he Franz , wer ist denn hinter dir her ? Er konnte sich noch an seine Verzweiflung erinnern , als er auf dem Oberdeck plötzlich das blonde Mädchen sah , sie saß an der Reeling und sah mit Tränen in den Augen auf die Insel zurück . Er sprang wie von Sinnen in die Luft und winkte Ihr zu , hallo , rief er und sie sah ihn an , plötzlich huschte ein Lächeln über ihr Gesicht und sie winkte zurück , aber das Schiff fuhr schon und machte Fahrt , sie wurde kleiner und Franz ließ seinen Arm sinken , er wußte noch , dass er sich nichts mehr wünschte , als dieses Mädchen wiederzusehen , aber das passierte nie... Diese Erinnerung brachte Franz wieder in die Wirklichkeit zurück , er erwachte wie aus einem Traum und sah zur Uhr , es war schon 12 .40 Uhr und er hatte doch um 13 Uhr seine Behandlung . Franz fuhr nun schnell zum Ausgang des Saales , in dem er sich schon ganz gut orientieren konnte und zum Fahrstuhl , dann in aller Windeseile in sein Zimmer , nahm seine Sporttasche , die er sich vorsorglich am Morgen gepackt hatte und schon war er wieder unten in der Rezeption , wo er sich am Plan orientierte und die Sporthalle , die ausserhalb des Hauses gelegen war , fand . Er sah zur Uhr ,es war 5 Minuten vor eins und er sah Claudia auf dem Weg in die Halle . Sie sah Ihn kommen und wartete auf Ihn , hallo Herr Franz , nun sind wir ja beide zu spät und ich hoffe , sie sind mir wegen heute morgen nicht mehr böse . Es waren leider ein paar ungünstige Konstellationen und die haben sich überschnitten. Aber das macht doch nichts , Claudia , ich habe alles gut geregelt bekommen und viele nette Leute kennengelernt . Sie hatten nun die Halle erreicht und Claudia bat Ihn in einen kleinen Raum links vom Eingang , bitte legen sie sich auf die Liege am Fenster , ich komme gleich , sagte sie und Franz legte sich auf die blaue Liege und wartete...Startseite